GRILLHOLZKOHLE

Die ursprünglichste Methode des Garens von Lebensmitteln über dem offenen Feuer ist das Braten oder Grillen. Aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. wird im 9. Gesang der Ilias von einem „Grillfest“ in Troja (Nordwesttürkei) berichtet:

 

Selbst nun stellt´ er die mächtige Bank im Glanze des Feuers,

Legte darauf den Rücken der feisten Zieg´ und des Schafes,

Legt´ auch des Mastschweins Schulter darauf voll blühendes Fettes.

Aber Automedon hielt, und es schnitt der edle Achilleus;

„Wohl zerstückt´ er das Fleisch, und steckt es alles an Spieße.

Mächtige Glut entflammte Menoitios´ göttlicher Sohn itzt.

Als nun die Loh´ ausbrannt´ und des Feuers Blume verwelkt war,

breitet´ er hin die Kohlen, und richtete drüber die Spieße,

sprengte mit heiligem Salz, und dreht´ auf stützenden Gabeln.

Quelle: Homer, Ilias. Zitiert nach http:www.gottwein.de/Grie/hom/il09de.htm E.Gering, 2003

 

Auch nach tausenden Jahren können wir uns der Magie des Feuers nicht entziehen. Weltweit ist das Grillen eine der beliebtesten sozialen Freizeitbeschäftigungen. Heute bieten Hersteller verschiedene Grillgeräte an. Der Holzkohle sind die meisten Grillfreunde zugetan. Wahrscheinlich deshalb, weil die Glut der Kohlen der Wildheit, Romantik und dem Abenteuer ursprünglichen Lagerfeuers am nächsten kommt.

Die in Österreich verbrauchte Grillkohle stammt hauptsächlich aus Europa. Laut Statistik Austria wurden 2012 von Serbien als größten Importeur etwa 5000 Tonnen Holzkohle importiert, gefolgt von Bosnien-Herzegowina mit rund 4000 Tonnen. Der Rest kommt aus Frankreich, Deutschland, Osteuropa und den sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern in Südamerika und Afrika. Gegenüber den Großproduzenten und der Billigkohle haben es die hiesigen Köhler schwer, preislich mitzuhalten, zumal die Holzpreise hoch sind.

Nur ein sehr geringer Teil der Grillholzkohle stammt von unseren heimischen Köhlern, die Holzkohle noch auf traditionelle Weise in Meilern erzeugen. Für heimische Holzkohle spricht aber nicht nur die Pflege von Tradition und lokalem Brauchtum, sondern auch Regionalität und vor allem Qualität. Holzkohle aus dem „Tal der Köhler“ in Rohr im Gebirge stammt aus Laub- und Nadelbäumen, aus nachhaltiger, heimischer Forstwirtschaft (100 % PEFC – zertifiziert) und zeichnet sich besonders durch ihre Reinheit aus. Kohlenstücke ohne Staub und Abfall werden mit der sogenannten „Kohlgabel“ händisch abgepackt und am Wege der Selbstvermarktung verkauft. Stammkunden aus Nah und Fern schätzen die rauchfreie Holzkohle und den direkten Kontakt zum Erzeuger, dem Köhler.

In Südamerika, der Karibik, Afrika und den Tropen ist noch heute Holzkohle der wichtigste Haushaltsbrennstoff für die tägliche Nahrungszubereitung der Bevölkerung. Auf keramischen Öfen, den sogenannten „Coalpots“, garen und kochen die Bewohner der kleinen Karibikinsel St. Lucia mit Holzkohle. Eine andere Kochkunst gibt es in Südamerika. In einem Erdloch wird Holzkohle entzündet und in deren Glut Steine erhitzt. Schichtweise wird mit Bananenblättern umwickeltes Fleisch und Gemüse auf die heißen Steine gelegt. Das verschlossene Erdloch kann nach ein paar Stunden geöffnet werden und die Speisen sind fertig.

Ein Land wie Senegal mit ca. 10 Mio. Einwohnern verbrauchte 2003 um die 360.000 Tonnen Holzkohle als Haushaltsbrennstoff. Weite Regionen sind heute wegen der Holzkohleerzeugung entwaldet. Aus lokal verfügbarer Biomasse, wie Erdnussschalen, Schilfgras, Reisspelzen, usw. und der Produktion von Bio-Kohle zu Briketts könnte der Raubbau an den Wäldern deutlich reduziert werden.